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Homefront (PlayStation 3)

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 Spiel-Infos: Homefront (PlayStation 3)
Homefront Boxart Name: Homefront (PlayStation 3) (PAL)
Entwickler: Kaos Studios
Publisher: THQ
Erhältlich seit: 15. März 2011
Genre: Action
Spieler: 1 (offline), 1-32 (online)
Features:


Dieser Test basiert auf der PlayStation 3-Version. Kleinere Abweichungen im Vergleich zur entsprechenden Xbox 360-Fassung sind deshalb nicht ausgeschlossen.

Homefront zeichnet ein ungewöhnliches Szenario, in dem ein vereintes Korea in die USA einfällt und dort Gewalt und Schrecken verbreitet. Die USA führen in Homefront also keinen Kriegseinsatz in fremden Ländern oder auf fernen Kontinenten, sondern direkt vor der eigenen Haustür. Ein interessanter und neuer Ansatz – keine Frage. Aber reicht das schon aus, um den Genre-Königen den Rang abzulaufen? Wir haben uns nicht nur die Story betrachtet, sondern auch die Technik mit der diese präsentiert wird. Ob Homefront neuen Glanz ins Shooter-Genre bringen kann, erfahrt ihr in unserem Test.
 
Apocalypse Now
Mit der Unterseite der Waffe bekommt ihr einen Schlag ins Gesicht und werdet in einen ehemaligen Schulbus gezogen, der mittlerweile als Gefangenentransporter dient. Gefesselt werden wir auf einen der Sitze geworfen, während sich der Bus langsam in Bewegung setzt. Es ist der Beginn der ersten Szene in Homefront und ihr habt noch keine Kontrolle über euer Alter Ego. Ihr sitzt mit dem Controller in der Hand vor dem Fernseher – noch unsicher, weil nicht klar ist, ab wann ihr selbst eingreifen müsst. Die Hintergrundmusik ist minimal und wird überschattet von Geschrei und dem Geplapper eines Mitgefangenen, der auf dem Platz vor euch sitzt. Es ist schier unmöglich seinem Monolog zu folgen, denn außerhalb des Busses spielen sich unfassbare Szenen ab: Menschen werden aus ihren Häusern geholt, abgeführt, geschlagen, getreten,… und hingerichtet. Hilflos blickt ihr aus dem Fenster und werdet Zeuge, wie ein Ehepaar von zwei Koreanern per Kopfschuss getötet wird. Vor den Augen ihres schreienden und weinenden Kindes. Es sind heftige Szenen die euch direkt am Anfang des Spiels vorgeführt werden und sie sollen eines von Anfang an klarstellen: Die koreanische Besatzungsmacht ist skrupellos. Die koreanische Besatzungsmacht ist der Feind. Sie ist dein Feind.  
„Ich vermute in Korea wird man es nicht sehr lustig finden“, antwortete ein Entwickler der Kaos Studios auf der gamescom 2010. Diese Antwort bekam ich kurz nach der Vorstellung von Homefront auf meine Frage, inwieweit die harten Szenen und das klare Feindbild wohl bei den Spielern ankommen werden. Ich denke er dürfte mit dieser Antwort recht haben. Die Geschichte von Homefront spielt im Jahr 2027. Nachdem es den Koreanern gelungen war, die Verteidigungsmöglichkeiten der USA zu schwächen, hat sich die Großkoreanische Republik (GKR) mithilfe einer riesigen Hightech-Armee in weiten Teilen der USA eingenistet. Die US-Streitkräfte sind weitestgehend machtlos – und so liegt es an einigen Untergrundkämpfern den mächtigen Feind im eigenen Land in die Knie zu zwingen. Die ganze schreckliche Entwicklung bis zum Jahr 2027 wird mit detaillierten Fernsehberichten erklärt und die geschichtlichen Ereignisse werden glaubhaft vermittelt. Zumindest solange, bis man nicht allzu lange darüber nachdenkt. Denn einige „Problemchen“ mit der fiktiven Story bleiben. Was macht der Rest der Welt? Handlungsunfähig aufgrund „eigener Probleme“. Wieso war die USA so dermaßen anfällig und hilflos? Epidemie. Doch wie gesagt, die Story wirkt durch die geschickte Inszenierung insgesamt glaubhaft und erweckt beim Spieler die Illusion von Realität. Genau darauf liegt auch das Hauptaugenmerk von Homefront. Keine grafischen Highlights oder spielerischen „Innovationsbomben“ sollen das Spiel von der Masse abheben, sondern die Verschiebung der Story in den Vordergrund. Auch Danny Bilson, der Chef der Core-Abteilung von THQ, sprach von eben einer solchen Verschiebung, da aktuelle Produkte aus dem Shooter-Genre nur wenig wert auf eine ausgereifte und emotionale Geschichte legen. Kein Wunder also, dass man sich für John Milius als Drehbuchautor entschied, der schon als Autor für „Apocalypse Now“ einen unvergessenen Welterfolg feiern durfte.

Wer bin ich? Wer bist du?
Wir schlüpfen in die Rolle von Robert Jacobs, einem amerikanischen Piloten, der sich nach seiner Befreiung durch die Kämpfer des Widerstandes eben jenen anschließt. Warum ausgerechnet Robert Jacobs befreit wird, bleibt während des Spielverlaufs ungeklärt. Eine Verbindung zwischen Spieler und Robert Jacobs entsteht nicht und auch die restlichen Charaktere kommen über eine klischeehafte und platte Darstellung leider nicht hinaus. Schon früh im Spiel wird deutlich, dass die emotional bedrückende Stimmung der ersten 10 Minuten nicht mehr erreicht werden kann. Sicher gibt es mitunter „heftige“ Szenen, aber die gibt es nun mal auch bei den anderen Vertretern dieses Genres. Waffe in die Hand und Koreaner töten – der eigene Anspruch an Story und Emotionalität ist zu kaum einem Zeitpunkt spürbar. Dies liegt mitunter auch an der Tatsache, dass die Geschichte während des Spiels große Mängel bei der Inszenierung aufweist. Ihr bewegt euch quasi wie auf Schienen durch „vollgeskriptete“ Schlauchlevels.
 Autor:
Joshua Hampf
Testbericht
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