"Es war einmal in einem weit
entfernten Land..." so, oder zumindest ähnlich, begannen vor gar nicht allzu
großer Vergangenheit die meisten der zahlreichen Märchen und Fabeln. Auch in
der Moderne sind die Märchen nicht tot zu bekommen, einer gewissen Evolution
konnten sie sich im Laufe der Jahre allerdings nicht entziehen. Heutige Märchen
handeln nun nicht mehr von gewöhnlichen Geschichten um kleine Mädchen, Wölfe
und Hexen. Oder vielleicht doch? Sind die Ninja-Meister und Klonkrieger aus
Dead or Alive das moderne Äquivalent zu den Hexen und Wölfen von damals? Ein
bisschen Fantasie vorausgesetzt, darf man ruhigen Gewissens an diesen Ansatz
glauben und die Story des Spiels abwinken, welche sich hauptsächlich mit dem
Konflikt des Muggen-Ten-Shin-Ninja-Clans und des Wirtschaftsimperiums DOA-Tec
beschäftigt, und sich voll auf die wesentlich gehaltvolleren Keilereien im Dead
or Alive 4 Turnier konzentrieren.

Evolution scheint dieser Tage
ohnehin eines jener Schlagwörter zu sein, das nicht nur im hochwertigen Start
Line-Up der Xbox 360 eine zentrale Rolle bei der Entwicklung, respektive
Weiterentwicklung von Spielen und erfolgreichen Serien einnimmt. Innovationen
sind rar gesät und werden von der zahlenden Kundschaft ein ums andere mal mit
Ignoranz gestraft. Die Regel bestätigenden Ausnahmen gibt es zwar immer einmal
wieder, doch gekauft wird vornehmlich das, was man bereits kennt. Es mutet also wenig verwunderlich
an, dass selbst die großen, privilegierten Entwickler aus der ganzen Welt
vornehmlich auf die Namenskraft von etablierten Franchises setzen. Nicht anders
geschehen auch bei Tecmo. Der vorliegende vierte Ableger der polarisierenden
Beat `em Up-Erfolgsserie, könnte fast als Sinnbild für eben diese beschriebene
Solidarität zu beliebten Stars und dem Giro-Konto von Tomonobu Itagaki und Co.
gesehen werden. Auf Käufer von Dead or Alive 4
wartet kein neuartiges Spiel, das mit neuen, unverhofft innovativen Facetten
Glanzpunkte zu setzen im Stande ist. Vielmehr erhält man ein in,
zugegebenermaßen zahlreichen, Nuancen optimiertes beziehungsweise verändertes
Prügelspiel.
Entgegen dem allgemein zu
beobachtenden Trend, der Forcierung in Richtung Massenmarkt, schlägt Tecmo
allerdings einen anderen Weg ein. Dead or Alive 4 kann mit Fug und Recht
behaupten, der anspruchsvollste, taktischste und gleichermaßen frustrierendste,
wie motivierendste Ableger der Serie zu sein. Das liegt vor allem an der Summe
der vorgenommenen Eingriffe in die Spielbalance. Anfänglich noch sehr subtil
wirkend, merken Kenner der vorangegangenen Spiele bereits nach wenigen Matches,
dass ordentlich an der Timing-Schraube gedreht worden ist. Umdenken ist also angesagt! Die
Reaktionszeiten sind geringer geworden, aufladbare Special-Moves fanden ihren
Weg in das Spiel und zahlreiche neue Bewegungen, sowie Änderungen bestehender
Moves prägen die Auseinandersetzungen. Dead or Alive 4 ist mit Abstand
der schnellste, erstaunlicherweise aber auch der taktischste Kampf um Leben und
Tod, den Tecmo bis Dato veröffentlichte. Das bestehende Stein-, Schere-, Papier-Prinzip funktioniert wunderbar. Konter
neutralisieren Kombos, wer kontert kann spielend leicht geworfen werden und wer
versucht einen Wurf anzusetzen, fängt sich schnell einmal ein paar flinke
Kombinationen ein. Soweit nichts Neues.












