Die Spielerschaft ächzt. Es gab
eine Zeit, da waren Spiele, welche die Geschehnisse des zweiten Weltkrieges
thematisierten etwas Besonderes. Mittlerweile sind aus diesen Exoten ganze
Sub-Genres entstanden, die sich fest in der breit gefächerten Landschaft der
Videospielkultur etablieren konnten. Das Problem, unter dem vor allem die
WWII-Ego-Shooter leiden, ist die vorherrschende Stagnierung, das Genre tritt
seit langem auf der Stelle. Die angebotenen Spiele gleichen sich untereinander
in ihrer Machart und in ihren spielerischen Facetten zu sehr. Das geht sogar
soweit, das es Spieler gibt, die dieses Untergenre pauschal abgeschrieben
haben. Das ist allerdings, zumindest ein stückweit, durchaus verständlich. So
beeindruckend und erschütternd zugleich beispielsweise die Landung in der
Normandie am berühmten D-Day auch dargestellt sein kann, um ehrlich zu sein,
möchte ich trotzdem nicht in jedem neuen WWII-Spiel als scheinbar unkaputtbarer
Held, Omaha Beach stürmen müssen, während links und rechts neben mir meine
Kameraden fallen wie die Fliegen. Auch Call of Duty 2 beschreitet diesen Weg,
allerdings tut es dies in aller Konsequenz inkonsequent!

Der vermeintliche Bekannte...
Die große Stärke des Spiels, mit
der man sich in einem angenehmen Maß von der Konkurrenz differenziert, ließe
sich mit der alten Binsenweisheit :“ weniger ist manchmal mehr“ ganz treffend
umschreiben. Call of Duty reduziert sich selbst auf das Wesentliche.
Spielerisch belastenden Schnickschnack gibt es in Call of Duty 2 nicht und
trotzdem setzt es ein Highlight. Das Spiel beeindruckt nicht mit
klassischen Tugenden. Weder glänzt es mit spielerischer Brillanz, einer
überragenden künstlichen Intelligenz, noch mit hundertprozentiger Authentizität
oder gar mit Realismus, es ist nicht einmal eine Physik-Engine vorhanden. Das Spiel zieht seine
Attraktivität hauptsächlich aus der extrem präsenten, prägnanten Wirkung der
durchlebten Szenerien. Erstaunlicherweise schafft man dies trotz, oder gerade
auch weil man weit davon entfernt ist, diesen Weltkrieg mit seinen grausamen
Hintergründen auch als solchen zu behandeln, respektive darzustellen. Zwar
durchschreitet ihr im Laufe der drei Kampagnen an russischer, britischer und
amerikanischer Front in chronologisch korrekter Reihenfolge tatsächliche
Schauplätze, wo ihr einige der bekanntesten und bedeutendsten Schlachten des
zweiten Weltkrieges schlagt, aber dies geschieht (fast) komplett, ohne dass
euch das Spiel mit den politischen Statements oder den grausamen ethischen
Idealen der Nationalsozialisten konfrontiert. Vor allem die deutsche Version
des Spiels vermittelt vielmehr den Eindruck das ihr an der Alliierten Front
nicht gegen die Nazis, sondern einfach gegen feindliche Soldaten antretet. Denn
bis auf wenige Ausnahmen in den ersten Levels, bleibt ihr sogar von der
deutschen Propagandamaschinerie unberührt. Merkwürdigerweise stören diese
Tatsachen die Spielerfahrung nicht im geringsten. In anderen Serien wäre es
beispielsweise auch ein Totschlagargument, dass gefallene Gegner nach kurzer
Zeit nicht mehr auf dem Schlachtfeld liegen, sondern einfach ausgeblendet
werden. In Call of Duty 2 jedoch hat man als Spieler, obgleich des rasanten
Spielablaufs, der euch kaum Verschnaufpausen gönnt, keine Gelegenheit dies
negativ zu bemerken und noch viel weniger Zeit sich darüber zu ärgern. Statt dessen ist man den
Entwicklern fast dankbar, dass sie so ökonomisch gehandelt haben und lediglich
die originalgetreuen Waffen-Repliken, die nach verrichteter Arbeit das
Schlachtfeld säumen, vom Tode eines virtuellen Soldaten zeugen.
Der Titel macht keinen Hehl
daraus, dass er eben nur ein Spiel ist, und keine Simulation des zweiten
Weltkrieges. Man hat sich also trotz der hohen audiovisuellen Authentizität die
Freiheit genommen und „nur“ ein atmosphärisches Spiel entwickelt, nicht mehr
und nicht weniger.












